Logo der Universität Wien

Die Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte

 

Ursprünge

Schon der im Jahr 1898 begründete Numismatische Lehrapparat an der Universität Wien, der auf die Initiative des Professors für Altertumskunde Dr. Wilhelm Kubitschek (1858–1936) zurückgeht, beherbergte eine Münzsammlung. Der Lehrapparat war dem Archäologisch-Epigraphischen Seminar der Universität angegliedert, das Alte Geschichte und Klassische Archäologie vereinte. Kubitschek fand in den Kreisen der Mitglieder der Numismatischen Gesellschaft in Wien Unterstützung für sein Projekt und erwarb als eine der ersten Anschaffungen die Serie von Galvanos griechischer Münzen aus dem British Museum. Auch Originale aus den Privatsammlungen von Dr. Reichel (vielleicht Vincenz Robert Reichel, 1899; oder Ernst Wolfgang Reichel, 1858–1900), Josef Schnellinger (1846–1904), Heinrich Cubasch (1849–1904), Eugen Schott (1826–1905), A. O. van Lennep ( 1913) und Dr. Josef Scholz (1835–1916) zählen zum Grundstock der Sammlung. Dabei handelte es sich durchwegs um antike Münzen.

 

Sammlung Brettauer

1907 stifteten die Erben des in Triest lebenden Augenarztes Dr. Josef Brettauer (1835–1905) dessen Münzen- und Medaillensammlung der Universität Wien. Sie umfasst fast 7.000 numismatische Objekte zur Thematik Medicina in Nummis und ist eine der bedeutendsten Sammlungen auf diesem Gebiet, die sich nicht nur durch beachtliche Vollständigkeit, sondern auch durch die durchwegs ausgezeichnete Qualität der Stücke auszeichnet. Im Jahr 1928 wurde sie jedoch der Bundessammlung von Medaillen, Münzen und Geldzeichen am Kunsthistorischen Museum zur Erstellung eines Katalogs anvertraut. 1988 kam die Sammlung Brettauer an die Universität zurück, wo sie mit dem Umzug des Instituts an den heutigen Standort eine neue Heimstatt fand.

 

Institutssammlung ab 1965

Mit der Gründung des Instituts für Antike Numismatik und Vorislamische Geschichte Mittelasiens im Jahr 1965 wurde der Numismatische Lehrapparat zur Sammlung des Instituts, dessen Umwidmung im Jahr 1978 auf die gesamte Numismatik eine Erweiterung der Sammlung um nichtantike Bestände notwendig machte. Im Jahr 1978 wurde die Schulsammlung des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums für Mädchen und Wirtschaftskundlichen Bundesrealgymnasiums für Mädchen Wien 2 in der Kleinen Sperlgasse als Dauerleihgabe dem Institut anvertraut; es handelt sich um 1696 Münzen aller Epochen. Ihr Bestand geht auf eine Münzsammlung am Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasium in Wien zurück.

Mit dem Amtsantritt von Wolfgang Hahn als ao. Professor für Numismatik 1990 konnten aus dessen Sammlung 858 mittelalterliche und neuzeitliche Münzen und Banknoten erworben werden. Als ein bedeutender Zugang ist schließlich eine Dauerleihgabe aus dem Nachlass des Wiener Medailleurs Edwin Grienauer (1893–1964) zu erwähnen: es handelt sich um Entwurfszeichnungen, Modelle, Gussformen, Prägestempel und Medaillen von der Hand dieses Künstlers. Zuletzt erhielt das Institut von der Deutschen Bundesbank in Frankfurt 2007 eine Sammlung von bayerischem Papiernotgeld des frühen 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 1979 wurde die Sammlung antiker Münzen bei einem Einbruch stark dezimiert: etwa 7.500 Münzen wurden gestohlen. Ein guter Teil davon, aber nicht der gesamte Verlust, konnte im internationalen Münzhandel sichergestellt werden und kam so wieder an das Institut zurück.

Einen Sonderbestand der Sammlung stellen noch die Gipsabgüsse insbesondere antiker Münzen dar. Dabei handelt es sich in der Regel um die Studiensammlungen bedeutender Numismatiker, die dem Institut übergeben wurden. Die Kontorniat-Medaillons und Münzen der römischen Republik von Prof. Andreas Alföldi (1895–1981) und die keltischen Münzen von Rudolf Paulsen (1893–1975) sind besonders zu erwähnen.

Die Sammlung des Instituts ermöglicht eine der besonderen Stärken der Ausbildung am Wiener Institut. Kaum eine Lehrveranstaltung verzichtet auf die Möglichkeit, die Studierenden mit Originalen aus der Sammlung zu konfrontieren und somit den Umgang mit dem originalen Objekt regelmäßig zu üben.

Leider besteht schon seit Jahren keine Möglichkeit mehr, die Sammlung durch gezielte Erwerbungen auszubauen. Qualitätvolle Geschenke, die Lücken schließen können, sind deshalb willkommen.

Hubert Emmerig

 

Literatur zur Sammlung des Instituts

Renner, Victor v.: Griechische Münzen. I. Theil: Der Osten, in: Jahresbericht des Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums in Wien 30, 1894, S. 3–58, 1 Tafel.

Renner, Victor v.: Griechische Münzen. II. Theil: Der Westen, in: Jahresbericht des Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums in Wien 31, 1895, S. 3–72, 2 Tafeln.

Kubitschek, Wilhelm: Moesische Münzen der Wiener Universitätssammlung, in: Numismatische Zeitschrift 50, 1917, S. 174–176.

Kubitschek, Wilhelm: Der numismatische Lehrapparat der Universität Wien. Zu seinem dreißigjährigen Bestand, in: Numismatische Zeitschrift 62, 1929, S. 57–60.

Holzmair, Eduard: Katalog der Sammlung Dr. Josef Brettauer Medicina in Nummis, Wien 1937.
2. Auflage unter dem Titel:
Holzmair, Eduard: Medicina in Nummis, Sammlung Dr. Josef Brettauer, 2. Auflage (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission 22), Wien 1989.

Czurda, Barbara / Dick, Franziska: Die Münzsammlung der Universität Wien, Institut für Numismatik (Österreichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Denkschriften 140 = Veröffentlichungen der Kommission für Numismatik 9 = Thesaurus nummorum romanorum et byzantinorum 3), Wien 1980.

Szaivert, Wolfgang: Die römischen Münzen aus der Sammlung Brettauer, in: Universität Wien, Institut für Numismatik, Mitteilungsblatt 6, 1993, S. 2–21.

Reeh, Elisabeth / Litschauer, Constanze: Die griechischen Münzen aus der Sammlung Brettauer, in: Universität Wien, Institut für Numismatik, Mitteilungsblatt 7, 1993, S. 2–9.

Luegmeyer, Andrea: Die mittelalterlichen Münzen aus der Sammlung Brettauer (I), in: Universität Wien, Institut für Numismatik, Mitteilungsblatt 8, 1994, S. 2–14.

Loske, Philipp: Die päpstlichen Münzen aus der Sammlung Brettauer, in: Universität Wien, Institut für Numismatik, Mitteilungsblatt 9, 1994, S. 2–15.

Emmerig, Hubert: Edwin Grienauer (1893–1964), in: Mitteilungen der österreichischen numismatischen Gesellschaft 43, 2003, Nr. 1, S. 2–53.

Pfisterer, Matthias: Eine Gruppe severerzeitlicher Fälscherförmchen aus der Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte, in: Vindobona docet. 40 Jahre Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien 1965–2005 (Numismatische Zeitschrift 113–114), Wien 2005, S. 139–152.

Englisch, Peter / Löschl, Erwin / Poderschnig, Michael / Reis, Leonhard / Rieder, Reinhold / Schindel, Nikolaus / Schwinghammer, Philipp / Szabo, E. / Vlcek, E. / Wiedergut, W. / Zich, Wilhelm: Die postreformatorischen umayyadischen Münzen in der Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, in: Universität Wien, Institut für Numismatik und Geldgeschichte, Mitteilungsblatt 33, 2006, S. 5–11.

Dergaciova, Lilia: Fälschungen schwedischer Münzen des 17. Jahrhunderts in der Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, in: Numismatische Zeitschrift 115, 2007, S. 73–92.

Specht, Edith: Die Geschichte der numismatischen Lehre an der Universität Wien, in: Hubert Emmerig (Hrsg.), Vindobona docet. 40 Jahre Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien 1965–2005 (= Numismatische Zeitschrift 113–114), Wien 2005, S. 17–31.
Wiederabgedruckt in: Compte rendu (Commission internationale de numismatique) 52, 2005, S. 25–35.

Emmerig, Hubert: Die Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, in: Universität Wien, Institut für Numismatik und Geldgeschichte, Mitteilungsblatt 38, 2009, S. 9–12.

Emmerig, Hubert: Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte, in: Feigl, Claudia (Hrsg.), Schaukästen der Wissenschaft. Die Sammlungen an der Universität Wien, Wien / Köln / Weimar 2012, S. 135–137.

Institut für Numismatik
und Geldgeschichte
Universität Wien

Franz-Klein-Gasse 1
1190 Wien
T: +43-1-4277-407 01
F: +43-1-4277-94 07
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0